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Nag Hammadi  -  Fundort des legendären Thomasevangeliums

 

 

 
 
 
 
 
 
 

 

Nag Hammadi  -  Portal zum direkten und umfassenden Verständnis des Thomastextes

 

von Agnus D.  /  anno domini  2005

 
 
 
 
 
 

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Dadurch, dass die Muttersprache von Jesus das Aramäische war, ist uns leider keines von Jesu Worten im Original überliefert worden. Der Thomastext, der darum zuerst wohl in Hebräisch verfasst worden war, wird auch als fünftes Evangelium Christi bzw. als so genanntes Evangelium nach Thomas bezeichnet. Bereits gleich im ersten Textabschnitt - dem Logion 001 - wird erklärt, dass es sich hierbei um im Geheimem gesprochene Worte Jesu Christi handelt, die einstmals Judas Thomas  (hebräisch: der Gepriesene; arabisch: hammad) mit dem Beinamen Thomas, (aramäisch: der Zwilling) aufgeschrieben hatte. Er erachtete sie offenbar für so gewichtig, dass er sie durch sein Aufschreiben auch noch der Nachwelt hinterlassen wollte. So heißt es im Logion 001 weiter am Schluss, dass wer die Bedeutung dieser Worte versteht, den Tod nicht schmecken muss.

Geheim sind diese teilweise hochsensationellen Worte Jesu also nur im Sinne von geheimnisvoll. Mit Esoterik oder gar Okkultismus können sie deswegen absolut nichts gemein haben. Dennoch wurde der Thomastext im Rahmen der bereits schon bei Kirchengründung einsetzenden Verbannung allen gnostischen Schrifttums gleich mit ausgegrenzt. Man bezeichnete das Thomasevangelium als apokryph, was so viel wie unecht oder falsch heißt. Nach kirchlicher Auffassung ist der Thomastext  zusammen mit den sonstigen Apokryphen (andern nicht anerkannten frühchristlichen Schriften) nicht authentischen Ursprungs. Bei ihrer Beurteilung des Thomastextes gingen die Kirchenväter des ersten Konzils um 400 nach Christus von ihrem damaligen Daseinsverständnis aus, der auf dem Dualismus beruhte. Hierbei handelt es sich um eine religiös-philosophischen Lehre, wonach es zwei ursprüngliche voneinander völlig unabhängige Prinzipien im Weltgeschehen gebe. Demgemäß wären darin der Herr und die Welt wie Schöpfer und Schöpfung zwei völlig verschiedene Dinge, die wesentlich nichts miteinander gemein haben können.

Dann war die hierzu entgegengesetzte Vorstellung ganz anders Denkender - Gott  in sich selbst suchen und finden zu können, als so genannte Gnosis oder Gnostik - reinste Häresie bzw. Gotteslästerung. Das war alsdann für die Kirche Grund genug alles Schrifttum gnostischer Anhauchung aus dem Kanon der christlichen Glaubenslehre zu verbannen, sowie Gnosis und Gnostik überhaupt als antichristlich irrige Sichtweisen zu brandmarken. Doch heute wissen wir glücklicherweise dank unserer modernen naturwissenschaftlichen Errungenschaften in der Physik und Kosmologie, welch einen baren Unsinn ein derartiges dualistisches Weltbild darstellt. Alles hängt bekanntlich mit allem zusammen, weil das Ganze - insbesondere das größtmögliche Ganze - sozusagen nach Adam Riese immer nur ein einziges sein kann. Von daher kommt ja der Begriff sowohl des Alls als auch des Universums, welches sich frei als alles in Einem übersetzt. Voneinander Unabhängiges kann es darin schlichtweg nicht geben. Und so muss dem Thomasevangelium - sollte sich die Vernunft am Ende doch noch durchsetzen - über kurz oder lang die kirchliche Zukunft gehören. 

Aber auch das Neue Testament enthält besonders bei Johannes und in der Apostelgeschichte gnostische Passagen, die man - ohne sie folgenlos aus dem Text entfernen zu können - billigend in Kauf genommen hatte. Im verfemten Thomastext hat Jesus überraschenderweise die volle Größe, welche man ihm im Rahmen des schon oben genannten dualistischen Weltbildes trotz Dreieinigkeit und Gottessohnschaft hintenrum wieder wegegekappt hatte. Sozialistische und kommunistische Fehldeutungen und Herabwürdigungen waren so die zwangsläufige Folge gewesen. Damals bis noch ins vorletzte Jahrhundert hinein wusste man es vielfach eben nicht besser. Doch heutzutage in unserem totalen Informationszeitalter kann es für solche Verzerrungen Jesu keine Entschuldigungen und keine Nachsicht mehr geben.

 

 

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